Förderverein Großes Moor e.V.
 

Prähistorischer Bohlenweg

Oktober 2020

Ein ehemaliger Neudorf-Platendorfer Pastor und Freund des Fördervereins Großes Moor e.V. machte uns auf ein sehr attraktives neues Ausstellungsstück für unser Moormuseum aufmerksam. In der Nähe seines neuen Wohnortes erfuhr er von archäologischen Ausgrabungen und schrieb uns darauf hin an:
"Nördlich von Diepholz im Moor läuft gerade die Ausgrabung an einem Stück Bohlenweg, ich war gestern vor Ort. Die Holzbohlen stammen aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Sie werden von den Archäologen genau gezeichnet, eingemessen und dokumentiert. Danach werden sie aber sie nicht mehr benötigt."

Die Ausgrabung und Erkundung des Weges sind Teil des Projektes »Naturerlebnis am prähistorischen Bohlenweg im Aschener/Heeder Moor«, das vom Verein »Naturpark Dümmer« getragen und mit Hilfe des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und mehreren Fördern finanziert wird. Unterstützung erfolgt auch durch verschiedene lokale Kulturinstitutionen (Industriemuseum Lohne, dem Dümmer-Museum Lembruch, dem Europäischen Fachzentrum Moor und Klima und dem Heimatmuseum Aschen). Fachlich wird die Ausgrabung vom Referat Moorarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) begleitet.

  



Der Förderverein Großes Moor e. V. ist sehr interessiert an diesem Exponat und bemüht sich aktuell um dessen Transport von Diepholz nach Neudorf-Platendorf.


Auszug aus dem Artikel des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD):

Hintergrund:

Über Jahrtausende prägten Moore die Landschaften Nordwesteuropas. Gerade die vermoorte Geestniederung, die sich zwischen Lohne und Diepholz und dem Dümmer See im Süden erstreckt, ist für die Moorarchäologie eine in dieser Form einmalige Fundregion. Der ausgedehnte Moorkomplex erreicht in Nord-Süd-Richtung eine Länge von fast 50 km, während er in Ost-West-Richtung stellenweise eine Breite von nur 2–3 km aufweist. Durch diese extrem langschmale Form bildete das Moor eine ausgeprägte Barriere, die die zu beiden Seiten des Moores gelegenen Landstriche voneinander trennte. Seit der Steinzeit suchten die Menschen dieses Hindernis mit dem Bau von Bohlenwegen zu überbrücken – bis heute wurden 20 solcher Wege aus der Zeit zwischen ca. 3.000 v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. bekannt. Ihr Bau bildete die einzige Möglichkeit, um die Moore mit einer gewissen Sicherheit zu betreten und zu überqueren. Zugleich sind die Moorwege fast die einzigen Überbleibsel vorgeschichtlicher Wegenetze und daher eine bedeutende Quelle für die Verkehrsgeschichte.

Der Bohlenweg Pr 6, der das Moor über eine mehr als vier Kilometer lange Strecke durchquerte, zählt zu den längsten Bohlenwegen Nordwestdeutschlands. Er führte von der Südseite eines weit ins Moor ragenden Mineralbodensporns, der Lindloge, in südwestliche Richtung auf eine nördlich von Kroge gelegene mineralische Erhebung zu. Der um 50 v. Chr. gebaute Weg hebt sich durch seine Länge, seine abwechslungsreiche Konstruktionsweise sowie durch die Qualität der hier gemachten Funde – u. a. Räder unterschiedlicher Konstruktionsweise, Reste von Woll- und Lederbekleidung, Holzwerkzeuge, Keramikbruchstücke sowie aufwendig geglättete und geschnitzte Holzstäbe, die vermutlich als Messstäbe verwendet wurden – von den meisten der bekannten Moorwege Niedersachsens ab. Im verwendeten Holz selbst verbergen sich zahlreiche weitere Informationen. Neben einer jahrgenauen Datierung und der Bestimmung von Bau- und Reparaturphasen ermöglichen dendroökologische Analysen Aussagen zur Umwelt, zum Waldbestand und der Waldwirtschaft zur Bauzeit des Weges und der vorangegangenen Jahrzehnte. Daher wird ein Großteil der verwendeten Hölzer für weitere Analysen verprobt. Gut erhalte Teilstücke des Weges sollen am Stück für die Präsentation im Museum konserviert werden.

Die niedersächsischen Moorgebiete sind mit ihren besonderen Erhaltungsbedingungen für organische Materialien herausragende und einmalige Kulturarchive. Für die vorgeschichtlichen Menschen bildeten die Moore räumliche Hindernisse, aber auch Räume für den Kontakt mit der spirituellen Sphäre und Orte ritueller Handlungen, Rückzugsgebiete und Jagd- und Sammelreviere. Dementsprechend vielfältig ist das Spektrum der in den Mooren erhaltenen Objekte. Es
umfasst aus Holz gebaute Wege, Rad- und Wagenbruchstücke, Einbäume, Siedlungen und Lagerplätze, im Moor deponierte Gegenstände, hölzerne Kultfiguren, Moorleichen oder Leder- und Wollkleidung. Das Alter einiger Funde reicht 10.000 Jahre zurück.


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