Förderverein Großes Moor e.V.
 


Bettler, Diebe und andere Verbrecher?

Die Gründung der beiden Dörfer Neudorf und Platendorf begann 1795 durch einen Vertrag zwischen den ersten Siedlern und dem absolutistischen Herrscher, dem König Georg III. (Abb. 2) aus Hannover. Der König versprach sich einen Gewinn durch seine Zolleinnahmen für den Torf. Der Torf konnte nur über einen Kanal, der zwischen den Dörfern lag, abtransportiert werden. Es musste also seine Zollstation passiert werden. 

Die Karte von 1780 (Abb. 3) zeigt das damalige Herrschaftliche Torff-Mohr, auf dem die beiden Dörfer entstanden. Viele seiner Untertanen hatten von dem Leben in Armut und Unfreiheit die Nase voll und ließen sich von den Ideen der französischen und amerikanischen Revolution anstecken. Sie flüchteten nach Amerika und kämpften gegen den König in Hannover, der damals auch über Großbritannien, Irland und die Kolonien herrschte. 

Der König wollte Land und Kolonien vor Ort erschaffen und so der Flucht Einhalt gebieten. Die Kolonisten hofften auf ein auskömmliches Leben. Beide wurden enttäuscht. Die Pläne gingen nicht auf. Die Kolonisten litten Hunger und lebten in größter Armut. Sie kämpften täglich ums Überleben. Der König verlor Geld.



 

Ohne den Einsatz des gesamten Vermögens einer Privatperson, des Fabrikanten August Wegener, der eine Glasfabrik in Triangel errichtete, hätten die Siedler nicht überlebt. August Wegener setzte sich für diese Menschen ein. In der schlimmsten Not konnte er gegen viele Widerstände erreichen, dass der König eine Suppenküche finanzierte. Zu seiner großen Enttäuschung waren aber die Menschen in Neudorf-Platendorf zu stolz für Almosen. Sie wollten Gerechtigkeit. August Wegener setzte im Laufe der Jahre sein gesamtes Vermögen für die Menschen ein. Anders als Filmhelden, wie Robin Hood, raubte er niemanden aus, um anderen zu helfen. Eine spannende viel zu wenig bekannte Geschichte. Ihm zu Ehren steht in Triangel ein Denkmal (Abb. 4).
Überliefert sind viele negative Meinungen der Amtspersonen aus Gifhorn. 
Mutig war nur Amts-Assessor Westfeld: 
„Das unaufhörliche Schreien der hungernden Moor-Colonisten zu Platendorf und Neudorf hat endlich die Teilnahme gefühlvoller Menschen erweckt…“. „…man muß helfen, aber nicht indem man den Colonisten den Mund verstopft und sie tothungern lässt, nein man muß ihnen gestatten ihr Brot zu verdienen.“

 

 

 

Der König verweigerte sogar eine Umsiedlung nach Stüde. Es gab einfach noch keine Freizügigkeit, der König bestimmte alles. In der Folge flohen viele Siedler nach Polen oder nach Amerika. Im Bereich des heutigen Landkreises Gifhorn waren es mit 44 Familien die meisten aus Neudorf-Platendorf. Abb. 5 zeigt ein Kunstwerk von 1850, auf dem Deutsche Emigranten ein Dampfschiff in Hamburg betreten mit dem Kurs nach New York. 


 

Aus heutiger Sicht waren die Ansiedlungsverträge zweifellos sittenwidrig, wenn nicht sogar kriminell. Schon damals entsprachen sie nicht dem Rechtsgefühl von mitfühlenden Menschen wie August Wegener. Ohne die Unterstützung von August Wegener und vielen Menschen in den umliegenden Dörfern wären die Bewohner verhungert. 

Abb. 6 zeigt die Karte von Platendorf und Neudorf, 1793 erstellt von Friedrich Findorff. Er legte viel Wert darauf, dass Form und Größe der einzelnen Grundstücke gleich sein sollten, um die soziale und wirtschaftliche Gleichstellung der Moorkolonisten zu gewährleisten.